Blog / Die Zukunft von Proxmox

Die Zukunft von Proxmox

05.08.2026

Was haben die Proxmox-Entwickler in Zukunft vor? Diese Frage stelle ich mir selbst regelmäßig, und sie kommt auch in Schulungen immer wieder auf. Bisher gab es dafür nur den recht knappen Roadmap-Abschnitt im Wiki-Artikel "Roadmap und Changelog", in dem viele Einträge veraltet oder längst umgesetzt waren.

Gemeinsam mit dem Release-Eintrag zum ARM64-Support wurde dieser Abschnitt nun komplett überarbeitet. Er ist jetzt nach den Bereichen gegliedert, in denen die Entwicklung tatsächlich stattfindet: SDN, CRS und HA, Cattle & Pets, Health Checks, Storage und Snapshots, Virtualisierung und Gast-Verwaltung, Installation sowie eine langfristige Perspektive.

Eine Einschränkung nennt Proxmox dabei ausdrücklich: Die genannten Punkte sind keine Zusage, dass etwas sofort entwickelt wird oder bald verfügbar ist. Manche Feature-Sets werden sich über mehrere Major-Releases verteilen.

Gehen wir die Bereiche der Reihe nach durch.

Software Defined Network

Das SDN soll stabiler werden, tiefer im Produkt aufgehen und ein durchgängiges Traffic-Management ermöglichen.

Der DHCP-Support wird stable und funktioniert künftig auch außerhalb von Simple Zones. Dazu kommt eine Verwaltung für Ingress-Traffic, also im Kern ein Reverse-Proxy, der eingehenden Traffic an einzelne VMs oder Container weiterleitet und dabei auch das ACME- und Zertifikatsmanagement übernimmt.

Der SDN-Firewallsupport wird erweitert. Damit einher geht die Stabilisierung von nftables, damit iptables langfristig abgelöst werden kann. Ergänzt wird das durch VRF-Support sowie die Stabilisierung des DNS-Plugins und der IPAM-Integrationen.

Und schließlich soll die Oberfläche besser zeigen, wie die einzelnen SDN-Komponenten zusammenhängen. Wer das Thema kennt, weiß, dass das kein kleiner Punkt ist.

Cluster Resource Scheduler und Hochverfügbarkeit

Hier geht es darum, das Workload-Placement zu optimieren und Balancing mit HA zusammenzuführen.

Geplant sind:

Balancing-Support auch für Nicht-HA-Gäste
verbesserte Affinitätsregeln mit weichen und harten Regeln, Gruppenanforderungen und Topologieabhängigkeit
Affinitätsregeln auch für Non-HA-Gäste, was unter anderem bei Lizenzthemen interessant wird
mehr Transparenz darüber, warum ein Gast auf einem bestimmten Node landet

Cattle & Pets

Der mit Abstand umfangreichste Bereich. Das Ziel: Proxmox soll sich auch in Umgebungen mit hunderten oder tausenden Gästen sinnvoll bedienen lassen. Das Thema gliedert sich in sechs Unterbereiche.

Clusterweite Aufgaben

Eine clusterweite Ansicht soll Ceph-Updates vereinfachen und die Ceph-Komponenten teilautomatisiert neu starten. Dieser Punkt ist bereits im Git vorhanden. Dazu kommen bessere UI-Performance in großen Setups sowie Themen wie seitenweises Durchblättern und Filter.

Massenaktionen auf Gästen

VM-Konfigurationen sollen sich in einem Durchgang ändern lassen, etwa RAM, CPU, Netzwerkkonfiguration, Tags oder MTUs. Dasselbe ist für Firewalleinträge, Sicherheitsgruppen und Cloud-Init-Konfigurationen vorgesehen. Beides soll auch filterbasiert funktionieren.

Zeitplanung und Automatisierung

Ein generisches Framework für zeitgesteuerte Aufgaben soll entstehen, so wie es für Backup- und Replikationsjobs bereits existiert. Darauf aufbauend sind geplant:

periodische Snapshots inklusive Vorhaltezeit
zeitgesteuertes Starten und Herunterfahren von VMs
geplante Migrationen
Rolling Cluster Updates

Überwachbarkeit und Erweiterbarkeit

Tags sollen sich automatisch setzen lassen, etwa anhand des OS-Typs, des Besitzers oder des Storage-Devices. Dazu kommen eine Übersicht über die größten Ressourcenverbraucher pro Pool und clusterweit, ein nodeübergreifender Event- und Aktivitäten-Feed sowie ein Audit-Log für Compliance-Zwecke.

Automatisierung und Integration

Für Lebenszyklus-Events wie das Erstellen, Löschen oder Ändern von Gästen soll es Webhook-Support geben. Hook-Skripte sollen sich zentral verwalten lassen.

Lebenszyklus und Sicherheit

Abweichungen einer Gast-Konfiguration von der zugrunde liegenden Vorlage sollen erkannt werden. Außerdem ist ein Soft-Delete für Gäste mit Restlebenszeit geplant.

Provisionierungsworkflows

Ein Massendeployment-Wizard soll die Erstellung vieler VMs vereinfachen, inklusive IP-Allokation und Cloud-Init-Support. Ergänzend sollen sich Quotas für CPU, RAM und Storage auf Basis von Tags und Ressourcenpools vergeben lassen.

Health Checks

Geplant ist ein Framework für Gesundheitsprüfungen der Nodes. Geprüft werden sollen unter anderem ausstehende Updates, freier Speicherplatz, RAID- und Disk-Status, Zertifikatsgültigkeit und Cluster-Services.

Dazu kommen Prüfungen auf typische Konfigurationsprobleme bei Gästen, etwa unused Disks, unpassende MTU-Werte oder fehlende VirtIO-Treiber. Die Ergebnisse sollen in das Notification-System einfließen.

Wer aus der VMware-Welt kommt, wird sich an die Hostalarme erinnert fühlen.

Storage und Snapshots

Snapshots as Volume Chains sollen stabilisiert werden und damit zuverlässig auf LVM-Thick (LVM on iSCSI), Verzeichnis-Storages, NFS und CIFS funktionieren. Bei der Migration von VMs auf lokalen Volume-Chaining-Storages sollen verschiedene Einschränkungen wegfallen.

Auf Basis des Volume Chainings soll außerdem eine neue Replikationsmöglichkeit entstehen, die ohne ZFS auskommt. Und die Multipathing-Integration für FC- und iSCSI-Deployments wird optimiert.

Virtualisierung und Gast-Verwaltung

Der OCI-Support soll stabilisiert werden. Darüber hinaus sollen deklarative Gäste möglich werden und Multi-Container-Anwendungen direkt aus PVE heraus laufen. Über Standardkonfigurationsprofile sollen sich Werte wie CPU-Typ, Netzwerk oder Storage-Layout vorgeben lassen.

Ein Punkt, der im Alltag sofort auffallen dürfte: Die lokale VM-Konsole auf noVNC-Basis soll für Windows-Gäste auf eine RDP-basierte Lösung setzen können und damit deutlich mehr Performance liefern.

Weiter auf der Liste stehen:

weniger Limitierungen für VMs mit virtioFS, sobald QEMU das zulässt
bessere Unterstützung für AMD SEV-SNP und Intel TDX, wo aktuell noch Features wie die Live-Migration fehlen
Verbesserungen beim PCI-Passthrough sowie vGPU-Support für Hardware jenseits von Nvidia
bessere Importe von anderen Hypervisoren, konkret genannt sind ESXi und vSphere

Installation

Zwei Punkte: LUKS-Unterstützung für das Root-Dateisystem, sowohl bei BIOS als auch bei UEFI, sowie eine bessere automatisierte Installation mit umfassenderen Post-Installation-Hooks und PXE-Integration.

Langfristige Planung

Die Perl-Komponenten sollen nach und nach zu Rust migriert werden. Und das PVE-Webinterface auf ExtJS-Basis soll langfristig durch eine Lösung auf Basis des Rust/Yew-basierten Proxmox Widget Toolkits abgelöst werden. Dieses ist bereits in der mobilen Proxmox-App und im Proxmox Datacenter Manager im Einsatz.

Einordnung

Der Umfang der Liste zeigt vor allem eines: Proxmox richtet sich zunehmend an große Umgebungen. Massenaktionen, Quotas, Audit-Logs, Health Checks und Rolling Cluster Updates sind keine Features für den Drei-Node-Cluster, sondern Antworten auf Anforderungen aus dem Enterprise-Umfeld. Dabei zeigt sich auch der ausdrückliche Fokus auf den Import von ESXi-VMs.

Gleichzeitig sollte man die Roadmap nehmen als das, was sie ist: eine Sammlung von Vorhaben ohne Termine. Als Richtungsangabe für die eigene Planung ist sie gut geeignet, als Zusage nicht.

Am meisten freue ich mich auf die Optimierungen im Workload-Placement bzw. HA/CRS, sowie auf eine Vielzahl von UX-Verbesserungen. Ebenso nehmen einem die geplanten Rolling Cluster Updates einiges an Arbeit im täglichen Doing ab.

Bei Fragen zu Proxmox allgemein oder zur Planung Ihrer Proxmox-Umgebung sprechen Sie uns gerne an.